Informationen zum Buch "Hakenkreuz und Martinskirche"

Geschichte muss sich dem Leser einprägen, dazu bedarf es dramatischer Geschichten und Situationen. Deshalb stehen spannende Konstellationen mit den tätigen und leiden-den Menschen im Mittelpunkt. Eine bewusste Emotionalisierung soll durch die auf Tat-sachen beruhende Figur des Josef R. erreicht werden. Mit 18 Jahren hatte er sich der SS angeschlossen und als Musiker in den Spielmannszügen der SS und der SA an allen NS-Veranstaltungen in Amberg und bei den Reichsparteitagen in Nürnberg mitgewirkt. Seine Eheschließung war dann für ihn als SS-Angehöriger mit größten Schwierigkeiten verbun-den, was in dem Kapitel "Verlobungs-und Heiratsbefehl der SS" dargestellt wird.

Die Auswertung von über 500 Feldpostbriefen, die er als einfacher Wehrmachtssoldat aus Russland schrieb, gibt einen Eindruck von seinem sich wandelnden Denken. Beim Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Juni 1944 fällt er bei Mogilew.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit dem NS-Staat bezogen auf Amberg und die Oberpfalz. Auch hier stehen die Menschen im Mittelpunkt. Mutige oberpfälzische Geistliche widersetzten sich den Nazis, 500 Frauen demonstrierten auf dem Marktplatz gegen die Entfernung der Kreuze aus den Schulen, einige gaben sogar ihr Mutterkreuz zurück. Einem Theaterstück ähnlich "Der Kampf um das Schulkreuz" in Vilseck. Bei all diesen Geschichten werden immer die historischen Hintergründe und Zusammenhänge dargestellt.

Dramatische, filmreife Situationen spielen sich bei Kriegsende in Amberg und dem benachbarten Schwandorf ab. Auch hier dienen die Erlebnisse der Familien um Josef R. dem emotionalen Nachempfinden und sollen Geschichte lesenswert machen. Die Ent-behrungen und die Not der Nachkriegszeit in der Region, das Überleben im Mangel und die Leiden der Landbevölkerung werden erstmals umfassend beschrieben.

Um jedem Missverständnis vorzubeugen, in diesem Buch geht es um eine klare Distan-zierung zum Nationalsozialismus und zu den Verbrechen der NS-Gewaltherrschaft. Aus-führlich werden die Befreiung vom Nationalsozialismus, die Versuche der Entnazifizierung und die fragwürdige "Vergangenheitsbewältigung" in den 50er Jahren dargestellt. Von besonderer Bedeutung für die Stadt Amberg ist die bis heute umstrittene Person des Josef Filbig, 1933 Oberbürgermeister der Stadt, 1952 wiedergewählt. Mit Absicht werden seine Reden und die anderer NS-Größen in ihrem Wortlaut zitiert, da man nur so diese sprachliche, oft unerträgliche Schwülstigkeit erkennen kann.

Alle historischen Details in diesem Buch wurden sorgfältig in mehreren Archiven recher-chiert, den Zeitungen dieser Jahre und der wissenschaftlichen Literatur entnommen. Über 500 Anmerkungen (Fußnoten!) belegen diese Aussagen. Im Unterschied aber zu herkömmlichen wissenschaftlichen Arbeiten will sich dieses Buch an einen größeren Leserkreis über die Wissenschaftsszene hinaus wenden. Vielleicht gelingt es mit dieser Geschichte aus dem Leben in der Provinz aufzuzeigen, wie es der Nationalsozialismus propagandistisch verstand, sich in der Öffentlichkeit zunächst positiv darzustellen, danach aber die Welt und das eigene Volk in die Katastrophe führte.

Zum Parteitag nach Nürnberg - Josef R. 2.R. 1.v.li
Buchcover

 

Schulkirche (Siehe Kap. SS-Hochzeit S.40)

 

Günter R. der Sohn von Josef R. 1954